Keine Teilnahme am Fronleichnamsfest 2008...

 

Zell-Unterharmersbach. Bei der Zusammenkunft am 26.April 2008 hat die Historische  Bürgerwehr Unterharmersbach abgestimmt und beschlossen, dass die Formation, einschließlich der Trachtenfrauen, in diesem Jahr nicht am Fronleichnamfest teilnehmen wird.
Die Bürgerwehr teilt mit, dass  auf die Gefühle einiger Kapuzinerbrüder und Pfarrgemeinderäte sowie Prozessionsteilnehmer Rücksicht genommen werden soll, die sich in der Andacht gestört fühlen wenn die Bürgerwehr nicht " unbewaffnet dem Herrgott gegenüber tritt" sondern ihm nach ihrer "alt hergebrachten Tradition zu seiner Ehre die Gewehre präsentiert".

 

 

 

 

Bürgerwehr Unterharmersbach soll Ehrenwache in der Kirche ohne Gewehre halten...

 

 

Unterharmersbacher stehen zu ihrer Tradition
Vorderlader als Teil der Uniform

Von Barbara Wagner

Zell-Unterharmersbach. Sind die historischen Vorderlader der Bürgerwehr Unterharmersbach Waffen oder einfach Teil der Uniform? Muss die Bürgerwehr eine Tradition aufgeben, weil zwei junge Patres »Waffen« und »Kirche als Ort der Zuflucht« nicht vereinbaren können? - Die schwierige Frage wurde von Seiten der Bürgerwehr eindeutig beantwortet: Mit 50 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen stimmte die Mitgliederversammlung dafür, dass die Ehrenwache und die Gewehrträger auch künftig bei der Beerdigung eines Bürgerwehr-Kameraden mit ihren Vorderladern in der Kirche antreten wollen.

Der Streit zwischen Bürgerwehr und kath. Kirchengemeinde schwelt schon seit gut einem Jahr. Dass Kommandant Gottfried Gutmann jetzt bei der Mitgliederversammlung an die Öffentlichkeit ging, hat eine

Vorgeschichte: Vor Jahresfrist fand ein Gespräch zwischen Mitgliedern des Pfarrgemeinderates, Seelsorgern und der Bürgerwehr Zell statt, in dem es darum ging, dass die Bürgerwehr nicht mehr mit »Waffen« die Stadtkirche betreten solle.

Keine Einladung ?...keine Zustimmung

Die Zeller stimmten zu. Und Kommandant Gutmann musste in der »Schwarzwälder Post« lesen, dass diese Zustimmung auch im Namen der Unterharmersbacher Wehr gefallen sei. Diese hatte jedoch, wie Gutmann beteuert, niemals eine Einladung zu diesem Gespräch erhalten.

Natürlich protestierte Gutmann namens der Bürgerwehr Unterharmersbach.

Später erhielt er eine Einladung zu einer Gesprächsrunde über die künftige Zusammenarbeit zwischen Pfarrgemeinde und den Bürgerwehren bei der Gestaltung der Feste, an denen die Bürgerwehr teilnimmt. Dieses Gespräch fand am 8. August 2007 statt, wobei die Vertreter der Bürgerwehr, laut Gutmann, von den Vertretern der Kirchengemeinde gedrängt wurden, zuzustimmen, dass keine Gewehre mehr in die Kirche mitgenommen werden.

Der Kommandant stimmte jedoch nicht zu sondern legte das Problem dem Bürgerwehr-Verwaltungsrat in dessen Sitzung am 9. August vor. Die Bürgerwehrverwaltung sei sehr überrascht über das Ansinnen der Kirche gewesen und habe geschlossen gegen den Antrag gestimmt.

»Können damit nicht gut leben«

Daraufhin erhielt Gutmann einen Brief von Bruder Stephan, der klar machte, dass er und Br. Jeremias »nicht gut damit leben« könnten, wenn Gewehre bei kirchlichen Handlungen mitgetragen werden. Es sei für ihn jedoch ein wichtiges Anliegen, eine gute Regelung zu finden, wie Bürgerwehrkameraden würdig beerdigt werden können. Br. Stephan bat um ein »8-Augen-Gespräch« mit der Bürgerwehr.

Nun wurden beide Patres in eine Verwaltungssitzung eingeladen, wobei wiederum keine Lösung gefunden wurde, denn beide Parteien bestanden auf ihren Ansichten. Als Kommandant Gutmann ankündigte, das Problem in der Jahresmitgliederversammlung zur Sprache zu stellen, entgegneten die Patres, dass es künftig »keine Beerdigungen in diesem Rahmen« mehr geben werde. Sie forderten die Bürgerwehr auf, nach anderen Möglichkeiten zu suchen.

Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner fand es bedauerlich, dass das jahrzehntelange Einvernehmen zwischen Bürgerwehr und Kirchengemeinde jetzt gestört sei. Früher haben die Trauerfeiern auf dem Kirchplatz vor der Kirche stattgefunden. Hier war es kein Problem, dass die Bürgerwehr mit ihren Vorderladern antrat. Unter Pater Suitbert wurden die Feiern in die Kirche verlegt ? da Zell nicht über eine Leichenhalle verfügt. Seit mehr als 20 Jahren habe es keinerlei Probleme gegeben, wenn die Bürgerwehr Ehrenwache für einen Verstorbenen hielt.

Respekt vor Tradition

»Auch der Papst«, so Wagner, »wurde bei den Osterfeiern von der Schweizergarde mit Hellebarden in den Petersdom geleitet«. Die Unterharmersbacher Bürgerwehr wolle den Kirchenraum als »Ort der Zuflucht« nicht infrage stellen. Es gelte aber auch, Respekt vor einer langjährigen Tradition zu wahren.

Namens der Kirchengemeinde nahm Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Peter Albrecht Stellung. Nicht nur die Patres hätten persönliche Probleme mit den Vorderladern in der Kirche, sondern auch Mitglieder des Pfarrgemeinderates. »Es geht darum, wie ich Gott in der Kirche gegenübertreten will ? dazu brauche ich keine Waffe«, so Albrecht. Er bat darum, die Gewehre künftig draußen zu lassen, denn man könne eine Tradition auch weiterentwicklen.

Bei der Bürgerwehr fand er hierfür kein Verständnis. Kommandant Gottfried Gutmann stellte fest, dass die Bürgerwehren im ganzen Land keine Probleme mit der Kirche hätten ? auch die Oberharmersbacher Nachbarwehr nicht. »Unsere Bürgerwehr besteht seit fast 150 Jahren«, sagte Gutmann, » und die beiden Brüder bleiben vielleicht fünf oder sechs Jahre hier. Sollen wir deshalb unsere Tradtition aufgeben?« Nein, beschlossen die Mitglieder in geheimer Abstimmung. Wie sich die Kirche dazu stellt, bleibt abzuwarten.